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Foto: Brigitte Kühn

Warum es dem Gehirn guttut, wieder Anfänger zu sein

Von KWS, Gesund und Fit, Psychologie347 Views

Warum es dem #Gehirn guttut, wieder #Anfänger zu sein

Als #Kinder waren wir ständig Anfänger. Wir konnten nicht laufen, nicht sprechen, nicht schreiben und schon gar nicht #Fahrrad fahren. Trotzdem haben wir es versucht. Wir sind gestolpert, haben Wörter verdreht, Buchstaben spiegelverkehrt geschrieben und uns wieder auf den Sattel gesetzt. Wir hätten nach dem ersten missglückten Versuch wohl kaum beschlossen: »Das liegt mir einfach nicht«.

Als Erwachsene sieht das häufig anders aus. Wir bewegen uns bevorzugt dort, wo wir uns sicher fühlen. Wir möchten wissen, wie etwas funktioniert, kompetent wirken und möglichst keine Fehler machen. Das ist verständlich. Unser Gehirn liebt vertraute Abläufe. Doch wenn wir nur noch tun, was wir bereits beherrschen, fehlt ihm etwas Entscheidendes: die Herausforderung, wirklich dazuzulernen.

Warum wir so ungern Anfänger sind

Anfänger zu sein fühlt sich selten souverän an. Plötzlich brauchen wir länger, stellen vermeintlich einfache Fragen und müssen uns konzentrieren, während andere scheinbar mühelos vorankommen. Wer im #Beruf und im Alltag gewohnt ist, Dinge im Griff zu haben, erlebt diese Unsicherheit schnell als unangenehm.

Also bleiben wir bei dem, was funktioniert. Wir wählen dieselben Wege, nutzen vertraute Programme und beschäftigen uns bevorzugt mit Themen, bei denen wir mitreden können. Das gibt Sicherheit, verlangt unserem Gehirn aber nur wenig Neues ab.

Dabei ist genau der Moment, in dem wir etwas noch nicht können, für unser Gehirn besonders wertvoll. Es kann nicht auf eine fertige Lösung zurückgreifen. Es muss genauer hinsehen, Informationen einordnen, Fehler erkennen und seine Vorgehensweise anpassen. Der Autopilot hat Pause. Jetzt wird gearbeitet.

Das Gehirn lernt an seinen Fehlern

Fehler haben bei uns einen schlechten Ruf. Sie gelten als Zeichen mangelnder Vorbereitung oder fehlender Begabung. Für das Gehirn sind sie jedoch wichtige Rückmeldungen. Ein Fehler zeigt, dass die gewählte Lösung noch nicht zum gewünschten Ergebnis geführt hat. Das Gehirn vergleicht Erwartung und Wirklichkeit und kann beim nächsten Versuch etwas verändern.

Wer eine neue Sprache lernt, kennt das gut. Ein falsch ausgesprochenes Wort ist nicht das Ende des Lernprozesses, sondern ein Teil davon. Erst durch Wiederholung, Korrektur und erneutes Ausprobieren wird aus einem fremden Laut langsam ein vertrauter Begriff.

Entscheidend ist deshalb nicht, möglichst fehlerfrei zu beginnen. Entscheidend ist, nach einem Fehler weiterzumachen. Wer sich jeden Irrtum verbietet, lernt vor allem eines: schwierige Situationen zu vermeiden.

Einmal anders reicht nicht

Ein ungewohnter Weg zum #Einkaufen oder das #Zähneputzen mit der anderen Hand kann uns kurz aus dem Autopiloten holen. Unser Gehirn wird aufmerksam, weil etwas nicht so läuft wie sonst. Dieser kleine Überraschungsmoment ist durchaus willkommen. Nachhaltiges #Lernen entsteht dadurch allein jedoch noch nicht.

Dafür braucht das Gehirn Aufgaben, mit denen wir uns über einen längeren Zeitraum beschäftigen. Wir müssen üben, Rückmeldungen erhalten, Fehler korrigieren und Schritt für Schritt besser werden. Erst diese wiederholte Auseinandersetzung fordert das Gehirn dazu auf, Abläufe neu zu organisieren und Fähigkeiten aufzubauen.

Wer einmal 3 Wörter Italienisch lernt, hat seinem Gehirn einen neuen Impuls gegeben. Wer über Wochen kleine Gespräche übt, baut eine neue Fähigkeit auf. Der Unterschied liegt nicht im guten Vorsatz, sondern im Dranbleiben.

Die richtige Herausforderung liegt dazwischen

Anfänger zu sein bedeutet nicht, sich wahllos zu überfordern. Eine Aufgabe, die viel zu schwer ist, erzeugt häufig Frust statt Lernfreude. Ist sie dagegen zu leicht, bleibt der Trainingsreiz aus.

Die passende Herausforderung liegt knapp außerhalb dessen, was bereits sicher gelingt. Sie verlangt Konzentration, bleibt aber bewältigbar. Heute gelingt ein kleiner Schritt, morgen vielleicht der nächste.
Das kann ein #Tanzkurs sein, ein #Musikinstrument, eine neue #Sprache oder der Umgang mit einer digitalen #Anwendung. Auch handwerkliche und kreative Tätigkeiten fordern das Gehirn: nähen, zeichnen, fotografieren, gärtnern oder ein unbekanntes Rezept zubereiten. Wichtig ist nicht, womit wir beginnen. Wichtig ist, dass wir nicht nach dem ersten unbeholfenen Versuch wieder aufhören.

Das kleine Wort »noch«

»Das kann ich nicht« klingt wie ein endgültiges Urteil. »Das kann ich noch nicht« lässt eine Tür offen. Dieses kleine Wort verändert nicht sofort unsere Fähigkeit, wohl aber unseren Umgang mit ihr.

Wer sich erlaubt, etwas noch nicht zu können, muss die eigene Unsicherheit nicht verstecken. Fragen werden wieder möglich. Hilfe darf angenommen werden. Fortschritte werden sichtbar, die wir sonst vielleicht übersehen hätten.

Dabei geht es nicht darum, in allem gut zu werden. Nicht jedes neue #Hobby muss zur nächsten Meisterschaft führen. Schon der Lernprozess selbst fordert #Aufmerksamkeit, #Gedächtnis, #Koordination und #Durchhaltevermögen. Auch auf dem Weg dorthin sind Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Koordination gefragt. Es profitiert von dem Weg dorthin.

Anfänger bleiben heißt beweglich bleiben

Mit zunehmender Lebenserfahrung wächst unser Wissen. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass wir uns immer stärker auf das verlassen, was wir bereits kennen. Wir haben unsere Abläufe, unsere Ansichten und unsere Antworten. Das macht das Leben einfacher, kann unser Denken aber auch enger werden lassen.

Wer wieder Anfänger wird, begegnet der Welt anders. Er muss beobachten, zuhören und Fragen stellen. Er erlebt, dass nicht alles sofort gelingen muss und dass eine alte Strategie nicht auf jede neue Situation passt. Diese Erfahrung hält nicht nur das Gehirn beweglich. Sie macht uns auch offener für andere Menschen und ihre Perspektiven.

Vielleicht sollten wir uns deshalb nicht nur fragen, worin wir besonders gut sind. Spannender wäre manchmal die Frage: Worin wäre ich gern noch einmal Anfänger?

Unser Gehirn braucht nicht jeden Tag ein neues Abenteuer. Aber es braucht Aufgaben, an denen es wachsen kann. Geben wir ihm also die Gelegenheit, etwas noch nicht zu wissen, noch nicht zu können und trotzdem anzufangen. Denn der Satz »Ich bin Anfänger« beschreibt keinen Mangel. Er beschreibt den Beginn von Lernen.

Experten Vita Brigitte Kühn

Brigitte Kühn ist #Gesundheitsexpertin und #Gehirntrainerin. Mit ihrer »#Brainkost« Methode zeigt sie Menschen ab 50, wie sie ihr Gehirn stark, klar und lebendig halten können und so auch #Demenz vorbeugen können. Sie verbindet #Ernährung, #Bewegung und mentales Training individuell zu alltagstauglichen Strategien für mehr Konzentration, Gedächtnis und Lebensfreude – mit Humor, Leichtigkeit und wissenschaftlich fundiertem Hintergrund. Mehr …

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