Von KWS, Kunst und Kultur, Fernsehen5.758 Views
»Feindbild Queer«, zweiteilige #ZDF Dokumentation
Ab Montag, 21. September 2026, 5 Uhr, im ZDF streamen
»ZDFinfo« Montag, 28. September 2026, ab 20.15 Uhr
#Mainz, 17. August 2026
Der Christopher Street Day steht seit Jahrzehnten für einen zentralen Erfolg der queeren #Emanzipationsbewegung: den Schritt aus der Unsichtbarkeit in die Öffentlichkeit. Der #Terroranschlag am 25. Juli 2026 in #Berlin hat die queere Community und die gesamte Gesellschaft erschüttert. Warum werden queere Menschen zunehmend zum Feindbild? Und was sagt ihr Schutz über den Zustand einer offenen Gesellschaft aus? Die Doku begleitet queere Menschen, zeigt ihren Alltag und auch wie sie Anfeindungen und Gewalt erleben.
Über die #Dokumentation
Am 25. Juli 2026 lenkt ein Mann beim Christopher Street Day in Berlin einen #Transporter in die Menschenmenge und greift anschließend Umstehende mit einer #Machete an. Eine Frau wird getötet, zahlreiche Menschen werden schwer verletzt. Der Angriff erschüttert die queere Community und die gesamte Gesellschaft.
Die Zahl der Angriffe auf queere Menschen ist seit Jahren gestiegen. Die Gefahr war immer real. Jetzt ist das vage Gefühl, in relativer Toleranz glücklich werden zu können, mit dem 25. Juli zerbrochen. Zurück bleiben Trauer, Verunsicherung und die Frage, wie wehrhaft eine offene Gesellschaft gegenüber #Hass und #Gewalt ist.
Für viele schien die deutsche Gesellschaft auf dem Weg zu immer größerer Offenheit: Eine Mehrheit akzeptiert homosexuelle Lebensweisen, queere Menschen sind in #Politik, #Kultur und #Öffentlichkeit so sichtbar wie nie zuvor. Gleichzeitig nehmen queerfeindliche Gewalttaten zu, politische Debatten werden schärfer geführt, religiös-fundamentalistische und rechte Bewegungen mobilisieren gegen sexuelle und geschlechtliche Vielfalt. War die wachsende Toleranz weniger belastbar als angenommen?
Diese Frage stellt sich auch angesichts politischer Auseinandersetzungen: Bundestagspräsidentin Julia Klöckner lässt 2025 zum Christopher Street Day keine Regenbogenfahne mehr am Reichstagsgebäude hissen. Bundeskanzler Friedrich Merz verteidigt die Entscheidung mit den Worten: »Der Bundestag ist ja nun kein Zirkuszelt.« Familienministerin Karin Prien streicht einem queeren Jugendnetzwerk staatliche Fördermittel. Die Dokumentation fragt, ob solche Entscheidungen auf eine zunehmende Distanz der gesellschaftlichen Mitte zu queeren Anliegen hindeuten. Findet eine #Entsolidarisierung statt?
Der Christopher Street Day steht seit Jahrzehnten für einen zentralen Erfolg der queeren Emanzipationsbewegung: den Schritt aus der Unsichtbarkeit in die Öffentlichkeit. Menschen zeigen sich ohne Scham und Angst und treten mit Stolz für Freiheit und gleiche Rechte ein. Der Angriff auf den Berliner CSD wird für viele zum Wendepunkt. Der Schock reicht weit über die queere Community hinaus.
Die zweiteilige »#ZDFinfo«-Dokumentation »Feindbild Queer« zeigt, wie queere Menschen Anfeindungen und Gewalt in ihrem Alltag erleben. Sie begleitet Menschen in den Spannungsfeldern von Familie und Politik, #Kirche und #Moschee. Ihr Leben wird dabei zum Brennglas für gesellschaftliche Konflikte um Freiheit, #Minderheitenrechte und #Demokratie. Warum werden queere Menschen zunehmend zum Feindbild? Und was sagt ihr Schutz über den Zustand einer offenen Gesellschaft aus?
»Feindbild Queer: Kampf für die Vielfalt« (1/2)
Eine Woche nach dem Attentat in Berlin demonstrieren beim #CSD in #Hamburg 300.000 Menschen für Vielfalt und gleiche Rechte. Viele wollen sich nicht einschüchtern lassen. Zugleich zeigt sich die Bedrohung im Alltag: Manche queeren Paare vermeiden es aus Angst vor Anfeindungen, ihre Liebe öffentlich zu zeigen.
Wie #Sichtbarkeit #Akzeptanz fördern kann, zeigt der Handball-Bundesligaspieler Lucas Krzikalla. Nach Jahren des Versteckens bekannte er sich im Oktober 2022 öffentlich zu seiner Homosexualität. Statt eines Shitstorms erlebte er breite Unterstützung.
Die Berliner #Dragqueen »Barbie Breakout« engagiert sich seit Jahrzehnten für queere Rechte. Sie nimmt einen gesellschaftlichen Backlash wahr: Freiheitsrechte würden zunehmend infrage gestellt, Stereotype gezielt für Kampagnen gegen Minderheiten genutzt.
Auch Stephan und Mathias sorgen sich um ihre Zukunft. Das schwule Paar lebt mit seinen Zwillingen in der Nähe von #Regensburg und ist seit 2025 verheiratet. Beide berichten von großer Offenheit in ihren Familien und ihrem Umfeld. Zugleich fragen sie sich, ob rechtskonservative Kräfte ihre Rechte wieder einschränken könnten – bis hin zu der Sorge, ihre #Kinder zu verlieren.
»Feindbild Queer: Woher kommt der Hass?« (2/2)
Der 2. Teil fragt nach den Ursachen von Queerfeindlichkeit. Er zeigt, wie insbesondere Transmenschen zur Projektionsfläche gesellschaftlicher Konflikte um Identität, Familie und Geschlechterrollen werden. Paul Ninus Naujoks erlebt die Folgen dieser Auseinandersetzungen unmittelbar.
Die Dokumentation blickt in christliche Milieus, in denen Homosexualität lange als Sünde galt. Zugleich begleitet sie die Pastorinnen Steffi und Ellen Radke, die innerhalb der Kirche einen geschützten Raum für queere Menschen geschaffen haben. In der von der Frauenrechtlerin Seyran Ateş mitbegründeten Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin sind queere #Muslime ausdrücklich willkommen. Tugay Saraç bewegte sich nach eigener Aussage lange im Umfeld von Islamisten. Heute lebt er als queerer Muslim und erhält Morddrohungen.
Carlos dos Reis floh aus #Venezuela. Er berichtet, dass seine Homosexualität selbst in seiner Familie als Krankheit angesehen worden sei und seine Mutter ihn einer Konversionstherapie habe unterziehen wollen. In Deutschland lebt er offen queer und nimmt mit einer Gruppe queerer #Migranten am CSD in Dresden teil. Dort erlebt er den politischen Konflikt um den Versammlungsstatus der CSD-Parade. Erst eine erfolgreiche Klage der Veranstalter ermöglicht die Demonstration.
Beim CSD in Berlin erleben mehrere Protagonisten den Angriff unmittelbar mit, darunter Carlos dos Reis und Barbie Breakout. Wenige Tage später geht Paul Ninus Naujoks beim CSD in Hamburg erneut auf die Straße: »Jetzt erst recht!«
»Feindbild Queer« erzählt von Menschen, die sich ihre Sichtbarkeit nicht nehmen lassen wollen. Die beiden Dokumentationen zeigen, wie aus Angst Entschlossenheit entstehen kann, und fragt, ob sich eine offene Gesellschaft einschüchtern lässt oder ihre Freiheit selbstbewusst verteidigt.
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