Von KWS, Kunst und Kultur, Kommentare2.713 Views
#Organspende: Über was reden wir eigentlich?
#Gütersloh, 18. August 2026
Die Debatte um die Widerspruchslösung ist wieder da. Und mit ihr entsteht bisweilen der Eindruck, in Deutschland würden jedes Jahr Hunderttausende Verstorbene zu möglichen #Organspendern – wenn sie nur rechtzeitig zugestimmt hätten.
So ist es nicht.
2025 starben in #Deutschland gut eine Million Menschen. Tatsächliche postmortale Organspender gab es 985. Der Grund für diesen gewaltigen Unterschied liegt nicht allein in einer fehlenden Zustimmung.
Eine Organspende setzt in #Deutschland eine ganz besondere medizinische Situation voraus: Die gesamten #Hirnfunktionen müssen unumkehrbar ausgefallen sein, während #Herz und #Kreislauf intensivmedizinisch noch aufrechterhalten werden und die Organe dadurch weiter durchblutet werden. Genau diese Konstellation ist selten.
Wer zu Hause stirbt, wer nach einem Herz Kreislauf Stillstand verstirbt oder bei wem die #Organfunktionen nicht mehr aufrechterhalten werden können, wird deshalb nicht dadurch zum möglichen #Organspender, dass ein #Organspendeausweis im #Portemonnaie steckt.
2025 gab es bei mehr als einer Million Todesfällen lediglich 3.524 organspendebezogene Kontakte zwischen Krankenhäusern und der Deutschen Stiftung Organtransplantation. Und auch diese Menschen waren keineswegs automatisch geeignete Organspender. Erst weitere #Diagnostik klärt, ob der irreversible Hirnfunktionsausfall tatsächlich vorliegt, ob Organe medizinisch geeignet sind und ob die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt sind. Am Ende dieser langen Kette standen 985 Organspender.
Hinzu kommt eine weitere Frage: Werden in den Krankenhäusern tatsächlich alle #Patienten erkannt und gemeldet, bei denen eine Organspende zumindest geprüft werden müsste? Auch das ist keineswegs selbstverständlich und seit Jahren Gegenstand medizinischer und organisatorischer Bemühungen.
Die #Widerspruchslösung verändert also nicht das medizinische Spenderpotenzial. Sie verändert zunächst die Regel, nach der innerhalb dieser ohnehin sehr kleinen Gruppe der Wille zur Organspende festgestellt wird.
Darüber kann und sollte man diskutieren. Aber dann sollte man auch wissen, worüber man diskutiert.
Denn der vielleicht größte Irrtum in der Organspendedebatte lautet noch immer: »Wer tot ist, kann seine Organe spenden.« Nein. Die allermeisten Verstorbenen können es gerade nicht.
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