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Bild: NOW KI

KWS Lectures: Das Gehirn steht Schlange – »Ich freue mich schon auf jetzt!«

Von KWS, Karla-Wagner-Stiftung, KWS Lectures2.827 Views

#KWS #Lectures: Das #Gehirn steht #Schlange – »Ich freue mich schon auf jetzt!«

#Gütersloh, 19. August 2026

Früher musste man irgendwohin, wo etwas los war.

Man fuhr »in die #Stadt«, ins #Kino, in die #Kneipe, in die #Disco, zur #Spielhalle. Man traf sich irgendwo. Man machte sich auf den Weg. Und manchmal war dort überhaupt nichts los. Pech gehabt.

Heute ist immer etwas los. Es ist schon fast immer alles los.

Das größte Kino der Welt steckt in der #Hosentasche. Dazu die größte Spielhalle, der größte Plattenladen, die größte Bibliothek, der größte Nachrichtensender, der größte Stammtisch, die größte Kontaktbörse und vermutlich auch der größte Jahrmarkt menschlicher Beklopptheit. Der »Vanity Fair«.

Alles #gleichzeitig – rund um die Uhr

Das klingt zunächst nach Fortschritt. Und natürlich ist es einer. Dummerweise hat die Sache einen kleinen Konstruktionsfehler: Der Mensch hat weiterhin nur ein #Gehirn.

Und vor diesem Gehirn steht inzwischen alles Schlange.

Noch ein Video. Noch eine Nachricht. Noch ein Kommentar. Noch ein Foto. Noch eine Katastrophe. Noch ein Witz. Noch ein Song. Noch jemand, der etwas unbedingt erklären muss. Und dahinter warten bereits dreitausend weitere Dinge, die ebenfalls unglaublich wichtig, wahnsinnig lustig oder »viral« sind.

Nicht mehr wir warten auf das Ereignis.

Das Ereignis wartet auf uns

Früher gab es zwischen den Dingen etwas, das inzwischen beinahe verdächtig wirkt: nichts.

Man wartete auf den #Bus und wartete auf den Bus. Man saß im #Zug und sah aus dem #Fenster. Kam der #Gesprächspartner im #Restaurant 5 Minuten später, betrachtete man eben 5 Minuten lang die Tischdecke. Man stand irgendwo herum. Man langweilte sich. Man dachte nach. Oder auch nicht.

Und freitags konnte man sich auf Freitagabend freuen.

Vorfreude benötigt nämlich eine ziemlich altmodische Zutat: Abwesenheit.

Etwas ist noch nicht da. Deshalb kann man darauf warten. Deshalb kann man es sich vorstellen. Deshalb kann man sich darauf freuen.

Heute ist fast alles schon da.

Der Film: jetzt.
Der Song: jetzt.
Die Freunde: jetzt.
Die Nachrichten: jetzt.
Das Spiel: jetzt.
Der Einkauf: jetzt.
Die ganze Welt: jetzt.

Und wenn das Jetzt einmal 2 Minuten lang nichts anzubieten hat, ziehen wir das #Smartphone aus der Tasche und bestellen ein neues Jetzt.

Ich freue mich schon auf jetzt!

Damit verschwindet nicht nur die Langeweile. Es verschwinden die Zwischenräume. Erwartung, Aufbruch, Ereignis und Nachklang werden zu einem endlosen #Strom aus #Gegenwart.

Das Merkwürdige daran: Je mehr passiert, desto weniger scheint zu passieren.

Denn ein Ereignis wird erst durch seine Grenzen zum Ereignis. Ein Konzert beginnt und endet. Ein Abend kommt und geht. Eine Reise hat eine Abfahrt und eine Rückkehr. Selbst eine verdammt gute Party muss irgendwann vorbei sein, damit sie am nächsten Morgen eine verdammt gute Party gewesen sein kann.

Der digitale Strom dagegen kennt keinen Schlussakkord.

Scroll.

Scroll.

#Scroll.

Das Gehirn steht Schlange.

Und ganz vorne wartet schon das nächste Jetzt.

Oder um es mit Bill Haley zu sagen: »Rock Around The Clock«.

#NOW #N #KWS #ROSA #OWL #GT #GGC #GOGREENCHALLENGE #VISITGÜTERSLOH #VISITGT #NIEWIEDERISTJETZT #MARIECHENMARKT