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Foto: Christian Schröter

Europa im Kreis Gütersloh – Esskultur und Eiskultur

Von KWS, Europa, Europa liegt nebenan10.232 Views

Europa im Kreis Gütersloh – #Esskultur und #Eiskultur

Zur europäischen Esskultur gehört auch das Speiseeis. #Speiseeis, in der #Schweiz und #Luxemburg das #Glace, früher auch »Gefrorenes« genannt, besteht vorwiegend aus #Wasser, #Milch oder #Sahne, gelegentlich auch #Lagerbutter und #Eigelb, verrührt mit #Zucker und verschiedenen geschmacksgebenden Zusätzen wie #Fruchtmus, #Vanille oder #Schokolade. Das erste Speiseeis gab es vermutlich im antiken #China. Die chinesischen Herrscher hatten große Eislager anlegen lassen. Das dem Sorbet ähnelnden Speiseeis war aber auch in der europäischen Antike bekannt. Der griechische Dichter Simonides von Keos beschreibt es als Gletscherschnee mit Zutaten wie Früchten, Honig oder Rosenwasser. Belegt ist auch Alexander des Großen und Hippokrates’ Vorliebe für Wassereis. Letzterer verschrieb seinen Patienten das damalige Speiseeis sogar als Schmerzmittel. Die römischen Kaiser ließen sich von Schnellläufern Schnee und Eis von den Apenninen zur Eisherstellung bringen.

In #Europa ist Italien das »Eisland«, insbesondere kennt man die Eismacher aus den Dolomiten. Rezepte für Eis aus Zucker, Salz, Schnee, Zitronensaft und verschiedenen Früchten oder auch mit Schokolade oder Zimt enthält schon eine italienische Schrift von 1692. 1775 erschien in #Neapel das erste #Buch, das ausschließlich über die Kunst der Eisbereitung handelt, unter dem Titel »De’ sorbetti« von Filippo Baldini. Um 1700 wurde Speiseeis in europäischen Kaffeehäusern bekannt und ab dem 18. Jahrhundert wurde Speiseeis in Frankreich auch auf der Straße verkauft. Am »Boulevard des Italiens« eröffnete ein Neapolitaner das erste #Eiscafé nach heutigem Verständnis. In Hamburg eröffnete 1799 die vermutlich erste deutsche Eisdiele im #Alsterpavillon. Das Eis zum Mitnehmen geht in Europa mutmaßlich auf italienische Immigranten in Großbritannien zurück, die dort in den Großstädten ab etwa 1870 auf den Straßen Eiscreme an kleinen fahrbaren Ständen verkauften. Sie wurden bald »Hokey pokey men« genannt, was auf den italienischen Satz »Gelati, ecco un poco« (»hier ein bisschen Eis«) zurückgehen soll. Sie verkauften das Eis in Pappbechern und Papphörnchen sowie sogenannte »Penny licks«, eine Eiskugel für einen Penny in einem kleinen Glasbehälter, der von den Käufern wieder zurückgegeben wurde. Das erste Eis am Stiel – in der Schweiz als Glacestengel oder Glacestängeli bekannt – wurde 1923 vom US amerikanischen Limonadenhersteller Frank Epperson patentiert. In den 1920er Jahren öffneten in Deutschland die ersten italienischen Eisdielen. Dies war die erste größere Welle einer durch Ausländer betriebenen Gastronomie. Die industrielle Herstellung von Speiseeis begann in Deutschland Mitte der 1930er Jahre mit den Firmen #Langnese (1935) und #Schöller (1937).

Italienisches Eis oder »Gelato« wird nach zwei Grundrezepten unterschieden – #Wassereis und #Milcheis. Die Basiszutaten für Italienisches Eis, das auch im Kreis Gütersloh sehr beliebt ist, sind Wasser, Zucker, Milch, Sahne, Eier, frisches Obst, natürliche geschmackgebende Zutaten und etwaige Zusatzstoffe. Traditionelle »Eisdielen« und Eiscafés setzen auf traditionelle Rezepte, manche Anbieter auf Fertigmischungen, und in jünster Zeit gibt es ambitionierte Eismacher, die sich an Kreationen wie Basilikumeis, Eis mit Aktivkohle und ähnlichen Dingen versuchen. Nach wie vor sind aber auch die klassischen Sorten wie Erdbeereis mit frischen Früchten, Schokoladeneis, Vanilleeis und verschiedene Eisbecher beliebt. Vor einigen Jahrzehnten kamen im Rahmen des »Crossmarketings« auch Sorten auf, die sich auf bekannte Namen, Marken, Titel und Produkte bezogen, wie etwa »Schlumpfeis«, »Biene Maja Becher«, »Pinocchio Becher« oder Sorten wie »Snickers Eis«, »Raffaello Eis«, »Rocher Eis« und ähnliche Kreationen. Das klassische Fürst Pückler Eis aus drei verschiedenen Eissorten, die gemeinsam gefroren werden, ist bei jüngeren Generationen mittlerweile weitestgehend unbekannt. Fürst Pückler Eis wurde nach dem Landschaftsarchitekten und Reiseschriftsteller Hermann von Pückler Muskau (1785 bis 1871) benannt. Das älteste bekannte Rezept für ein Eis dieses Namens stammt von dem Königlich Preußischen Hofkoch Louis Ferdinand Jungius, der #Pückler 1839 in seinem Kochbuch ein dreischichtiges Sahneeis widmete. Die Hauptbestandteile waren geschlagene Sahne, Zucker und frische Früchte oder im Winter Konfitüre, die geschichtet waren. Daraus entwickelte sich eine Zubereitung aus Schokoladeneis, Erdbeereis oder Himbeereis und einer mit Maraschino aromatisierten hellen Makronen Eis Masse. Heutiges Fürst Pückler Eis besteht meist aus Schokoladeneis, Erdbeereis oder Himbeereis und Vanilleeis. Bekannt ist die Fürst Pückler Schnitte, ein dreischichtige Eiscreme zwischen zwei Waffeln.

Der echten #Cassata, einer sizilianischen Schichttorte, ist eine gleichnamige »Eisbombe« nachempfunden, die im Kreis Gütersloh nur noch von wenigen Traditionsbetrieben hergestellt wird. Die Eisbombe Cassata besteht aus #Himbeereis, #Vanilleeis, #Schokoladeneis und kandierten #Früchten. In Italien und in der Schweiz ist die Cassata ebenso verbreitet. Die »echte« Cassata besteht aus einer Creme aus #Ricotta und Zucker, die abwechselnd mit Pan di Spagna, einer Biskuitart, in eine Schüssel oder Form geschichtet und gut gekühlt, gestürzt und mit einer Glasur aus Zucker oder Schokoladencreme überzogen serviert wird. Dekoriert wird diese Torte mit kandierten Früchten und Mustern aus farbiger Zuckerglasur. Je nach Rezept werden der Cassata noch Pistazien oder Pinienkerne, Stückchen von Bitterschokolade, Zimt, Orangenblütenwasser, Maraschino oder Likör aus Orangen hinzugegeben. Früher wurde Cassata nur in Klöstern und in Herrenhäusern hergestellt. Nach einem Dokument der Synode von Mazara del Vallo aus dem Jahre 1575 sei die Cassata »unverzichtbar beim Osterfest«.

#Uniteis die Union italienischer Speiseeishersteller in Deutschland, in Kooperation mit Artglace, dem europäischen Verband der Speiseeishersteller, hat die Europa Eissorte des Jahres 2022 – Dolce Sinfonia – in Deutschland vorgestellt. Die Geschmacksrichtung Dolce Sinfonia ist eine exzellente Kreation, die zwei große, in ganz Europa beliebte Klassiker vereint: #Schokolade und #Haselnuss.

Seit 10 Jahren feiert Uniteis jedes Jahr am 24. März mit der Initiative »Gelato Day« das handwerklich hergestellte Speiseeis. Ein kulinarisches Spitzenprodukt italienischer Herkunft, dem jedes Jahr eine Geschmacksrichtung gewidmet ist, die aus einem Mitgliedsland von Artglace stammt. In diesem Jahr, anlässlich des zehnjährigen Jubiläums, ist die Wahl der Sorte neutral, besser gesagt, nationenübergreifend erfolgt, mit der Präsentation einer Geschmacksrichtung, die für ganz Europa ein großes Lob auf das Speiseeis bedeutet.

Ziel des »Gelato Days« ist es, das Wissen über traditionell handwerklich hergestelltes Speiseeis in ganz Europa zu verbreiten, sein Image zu fördern und gleichzeitig die Zusammenarbeit zwischen den Verbänden der Speiseeishersteller in Europa zu stärken. Der Europa Tag des Gelato wurde durch einen Beschluss des europäischen Parlaments am 12. Juni 2012 eingeführt und wird jedes Jahr am 24. März gefeiert. Die Aufforderung zur offiziellen Anerkennung von Speiseeis war ein Projekt von Artglace, dem europäischen Speiseeisverband, zusammen mit Uniteis, dem Verband der italienischen Gelatieri für handwerklich hergestelltes Speiseeis in Deutschland, und der Messe Longarone, die sich seit Jahren für dieses Ziel eingesetzt haben. Der Europa Tag des Speiseeises war der erste und ist bis heute der einzige Tag, der in Europa einem Lebensmittel gewidmet ist. Deutschland war 2018 mit der Geschmacksrichtung »Black Forest« an der Reihe, einer Geschmacksrichtung, die die typisch deutsche Schwarzwälder Kirschtorte repräsentiert und bei der es sich um ein Schokoladeneis verfeinert mit Amarena Kirschen handelt. Die Wahl dieser Sorte durch Uniteis sollte eine große Hommage der italienischen Gelatieri an ihre Wahlheimat Deutschland sein. Der Erfolg dieser Geschmacksrichtung bei den deutschen Kunden ist so groß, dass »Black Forest« in vielen Eisdielen einen festen Platz in der Theke bekommen hat.

Im Vorfeld der Feierlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen 2022 wurde ein Wettbewerb veranstaltet, an dem alle Eishersteller in Europa teilgenommen haben, indem sie ein mehrminütiges Video zur Geschmacksrichtung Dolce Sinfonia mit ihrem Rezept einsandten. Eine Kommission aus Vertretern von Artglace und den beiden Eismessen Longarone Fiere Dolomiti und IEG (Italian Exibition Group) wird das Gewinnerrezept auswählen.

Schokolade

Die erste Ladung von Schokolade aus Indien kam im 16. Jahrhundert in Sevilla an und es waren spanische Mönche, die ihre Süße durch Zugabe von Zucker und Vanille verstärkten. Schokolade als Getränk wurde bei der spanischen Gesellschaft so beliebt, dass es fast als nationales Symbol Spaniens gilt.

Haselnuss

Die Haselnuss ist die Frucht des Haselnussstrauchs, einer Pflanze, die seit der Antike angebaut wird. Die Sorte Haselnuss ist eine der beliebtesten in ganz Europa. Sie ist reich an guten Fetten (Omega 3 Fettsäuren und Omega 6 Fettsäuren), Ballaststoffen und den Vitaminen B und E, die dem Prozess des Alterns entgegenwirken und die Synthese von Serotonin und Melatonin fördern. Diese Moleküle sind für gute Laune und Zufriedenheit verantwortlich. Haselnuss ist nährstoffreich, ein Symbol des Wohlstands und Grundbestandteil vieler süßer und herzhafter Spezialitäten. Die Haselnuss ist eine der Früchte, die Italien in der ganzen Welt berühmt gemacht haben. Die wertvollsten Exemplare kommen aus dem Piemont, aber auch in vielen anderen Ländern des Mittelmeerraums werden Haselnüsse angebaut.

Wie wird der Europa Tag des Speiseeises gefeiert?

Jede nationale Vereinigung organisiert auf Eigeninitiative und in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Partnern Parallelveranstaltungen und lokale Aktionen, um das Speiseeis in seiner Reinheit und Frische bei Verbrauchern und in den Medien in den Vordergrund zu stellen. An diesem Tag wird diese Eissorte in den handwerklichen Eisdielen europaweit zur Verkostung angeboten. Ziel der Veranstaltung ist die Unterstützung und Förderung des handwerklich hergestellten Speiseeises in Europa und die Intensivierung der Kommunikation gegenüber Kunden und Institutionen. Es geht darum, einer Branche, die nicht nur ein Garant in puncto Qualität und Nährwertprofil ist, sondern auch als wichtiger Akteur innerhalb einer (lokalen) Wirtschaftskette fungiert, einen angemessenen Stellenwert einzuräumen. Uniteis unterstützt seine Mitglieder bei ihren Werbeinitiativen in Deutschland, verbreitet die Nachricht in den Medien und steht für jegliche Information zu diesem Jahrestag zur Verfügung.

Im Sektor handwerklich hergestelltes Speiseeis sind in Europa 300.000 Menschen in 60.000 #Eisdielen beschäftigt. Der Gesamtumsatz beträgt neun Milliarden Euro im Jahr und wächst jährlich um vier Prozent. Allein in Italien gibt es 39.000 Eisdielen. In Deutschland hingegen gibt es 9.000 (3.300 davon mit eigener Eisherstellung). 20.000 Personen arbeiten in diesem Bereich, davon haben die Hälfte italienische Wurzeln. In #Spanien gibt es 2.000 Eisdielen, gefolgt von #Polen (1.800), #England (1.000), #Österreich (900), #Griechenland (650) und #Frankreich (400).

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