Von KWS, Kunst und Kultur, Glosse2.761 Views
Kopf hoch, Gütersloh!
#Gütersloh, 11. Oktober 2026
Es ist ja nicht so, dass Gütersloh nichts zu bieten hätte. Die Stadt hat #Unternehmen, engagierte #Bürger, #Vereine, #Initiativen, #Künstler, #Kulturschaffende, #Ideen und jede Menge #Möglichkeiten. Was gelegentlich fehlt, ist etwas ganz anderes: jemand, der das alles zusammenbringt. Und ein Blick über den Tellerrand, oder wie der #Westfale sagen würde: »#Kirchturmhandeln statt #Kirchturmdenken«.
Denn in Gütersloh wird fleißig gearbeitet. »Ora et labora« ist schließlich das alte, gütersloherisch pietistische Motto, das sich an manchem #Fachwerkbalken wiederfindet. Es wird teils viel gearbeitet. Aber das tut jeder für sich. Jeder in seinem #Zuständigkeitsbereich, seinem #Verein, seinem #Unternehmen, seinem #Arbeitskreis, seiner #Institution, seinem kleinen #Universum. Man organisiert, plant, tagt, fördert, beantragt, beschließt und protokolliert. Und während alle mit ihren eigenen Rädern beschäftigt sind, fragt sich kaum jemand, ob die Räder eigentlich ineinandergreifen.
Dabei ist das Prinzip gar nicht kompliziert: Wenn alle an einem Rad mitdrehen, werden irgendwann auch alle von diesem Rad mitgedreht. Das ist #Reziprozität. #Gegenseitigkeit. Ein ziemlich einfaches gesellschaftliches und wirtschaftliches Prinzip, das erstaunlicherweise ganz ohne Förderantrag funktioniert.
Gütersloh war kein #Verwaltungsvorgang
Man sollte sich gelegentlich daran erinnern, wie Gütersloh überhaupt entstanden ist. Nicht durch einen #Masterplan aus dem #Rathaus. Nicht durch eine #Stadtmarketingkampagne. Und auch nicht durch einen #Workshop mit anschließendem #Ergebnisprotokoll.
Gütersloh ist gewachsen. Von »unten«. Durch Menschen, die etwas unternommen haben. Durch #Handwerker, #Kaufleute, #Unternehmer, #Vereine, #Bürger und später große #Unternehmen. Durch #Citizens und Corporate Citizens, wie man heute sagen würde. Durch Menschen also, die nicht darauf gewartet haben, dass jemand eine Maßnahme beschließt.
Heute nennt man so etwas gerne #Grassroots. Früher nannte man es vermutlich einfach: #Machen.
Das bedeutet nicht, dass #Verwaltung überflüssig wäre. Im Gegenteil. Eine funktionierende Verwaltung ist unverzichtbar. Aber Verwaltung und Unternehmertum sind 2 unterschiedliche Dinge. Verwaltungen sind darauf ausgerichtet, Regeln anzuwenden, Verfahren einzuhalten und Zuständigkeiten zu beachten. Unternehmerisches Handeln dagegen bedeutet, #Möglichkeiten zu erkennen, #Risiken einzugehen, #Menschen zusammenzubringen und etwas Neues zu schaffen.
Von einem #Apparatschik kann man nicht erwarten, dass er plötzlich zum #Unternehmer wird. Man sollte allerdings auch nicht auf die Idee kommen, Unternehmertum durch Apparatschiks ersetzen zu wollen.
Eine Stadt ist keine #Behörde
Das eigentliche Problem beginnt dort, wo man eine Stadt wie eine Verwaltungsorganisation behandelt. Als bestünde ihre Entwicklung hauptsächlich aus #Konzepten, #Zuständigkeiten, #Haushaltsstellen und #Beschlussvorlagen.
Eine Stadt ist aber kein #Organigramm. Sie ist ein #lebendiges #soziales, #kulturelles und #wirtschaftliches #Geflecht. Und ein solches Geflecht funktioniert nur, wenn seine Bestandteile miteinander in Beziehung treten.
Dafür braucht es #Offenheit. #Kommunikation. #Vertrauen. Und vor allem die Bereitschaft, andere nicht als #Konkurrenten, #Störenfriede oder unliebsame Mitspieler zu betrachten, sondern als mögliche #Partner.
#Demokratie und #Freiheit sind dabei keine #dekorativen Begriffe für #Sonntagsreden und Lippenbekenntnisse. Sie sind die Voraussetzungen dafür, dass Menschen eigene #Ideen entwickeln, #Kritik äußern, #Initiative ergreifen und sich einbringen können. Auch dann, wenn ihre Ideen nicht aus dem Rathaus kommen. Vielleicht sogar gerade dann.
#Kultur ist kein #Sahnehäubchen
Besonders wichtig sind #Kunst und Kultur. Nicht als schmückendes Beiwerk für #Stadtfeste, nicht als freundliche Kulisse für #Standortmarketing und auch nicht als freiwillige Leistung, die man bei nächster Gelegenheit wieder zusammenstreicht. Schon gar nicht als Leerstandsdeko.
Kunst und Kultur schaffen etwas, das keine Verwaltung herstellen kann: #Identität, #Inspiration, #Austausch, #Neugier und neue #Perspektiven. Sie verbinden Menschen, die sonst vielleicht nie miteinander sprechen würden. Sie stellen Fragen, auf die es noch keine Formulare gibt.
Verwaltung kann die Voraussetzungen dafür schaffen. Aber die schöpferische Leistung entsteht anderswo.
Und wer glaubt, eine Stadt könne kulturell auf der Stelle treten, ohne dabei etwas zu verlieren, übersieht einen einfachen Zusammenhang: #Stillstand ist in einer Welt, die sich ständig verändert, bereits #Rückschritt.
Der #Feuermelder ist nicht das Problem
Natürlich läuft nicht alles gut. Das muss man sagen dürfen. Und zwar ohne dass sofort jemand mit dem Vorwurf der #Schwarzmalerei um die Ecke kommt.
Es gibt nämlich einen erheblichen Unterschied zwischen #Kritik und #Schlechtreden. Ebenso wie zwischen #Zuversicht und #Schönreden.
Wer auf Missstände hinweist, verursacht sie nicht. Wer Probleme benennt, ist nicht automatisch das Problem. Und wer Kritik dadurch beseitigen möchte, dass er den Kritiker zum #Sündenbock erklärt, betreibt letztlich nichts anderes als #Scapegoating.
Das ist ungefähr so, als würde man bei einem #Brand den #Feuermelder abschalten, weil einem das Geräusch auf die Nerven geht. Anschließend ist es tatsächlich wunderbar ruhig. Nur brennt die Hütte immer noch.
Kopf hoch! Aber bitte mit offenen Augen
Gütersloh braucht keinen #Zweckoptimismus. Keine künstliche Euphorie, keine #Hochglanzbroschüren, in denen grundsätzlich alles großartig ist, und auch keine weiteren Runden, in denen man sich gegenseitig versichert, wie hervorragend man bereits zusammenarbeitet.
Was Gütersloh braucht, ist die Bereitschaft, tatsächlich zusammenzuarbeiten. Über institutionelle Grenzen hinweg. Ohne #Berührungsängste. Ohne #Besitzstandsdenken. Ohne die Vorstellung, dass eine gute Idee nur dann gut sein kann, wenn sie aus dem eigenen Haus stammt.
Dafür muss niemand auf seine #Eigenständigkeit verzichten. Im Gegenteil: Ein funktionierendes #Gemeinwesen lebt gerade davon, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Fähigkeiten, Erfahrungen und Interessen einbringen.
Das gemeinsame Rad muss nicht allen gehören. Aber alle sollten die Möglichkeit haben, daran mitzudrehen.
Und vielleicht wäre das schon ein guter Anfang: weniger darüber nachdenken, wer zuständig ist, und mehr darüber, wer etwas beitragen kann. Denn Gütersloh hat seine Zukunft nicht deshalb vor sich, weil irgendjemand sie verwaltet. Sondern weil Menschen sie gestalten.
Also: Kopf hoch, Gütersloh! Aber nicht so hoch, dass man nicht mehr sieht, was direkt vor den eigenen Füßen liegt (siehe »Hanns Guck in die Luft«, die bekannte »#Struwwelpeter« Geschichte von Heinrich Hoffmann aus dem Jahr 1845).
Wenn der Hanns zur Schule ging,
Stets sein Blick am Himmel hing.
Nach den Dächern, Wolken, Schwalben
Schaut er aufwärts, allenthalben:
Vor die eignen Füße dicht,
Ja, da sah der Bursche nicht,
Also daß ein jeder ruft:
»Seht den Hanns Guck in die Luft!«
Kam ein Hund daher gerannt;
Hännslein blickte unverwandt
In die #Luft.
Niemand ruft:
»#Hanns! gib acht, der Hund ist nah!«
Was geschah?
Pauz! #Perdauz — da liegen zwei!
#Hund und Hännschen nebenbei.
Einst ging er an Ufers Rand
Mit der Mappe in der Hand.
Nach dem blauen Himmel hoch
Sah er, wo die Schwalbe flog,
Also daß er kerzengrad
Immer mehr zum #Flusse trat.
Und die #Fischlein in der Reih’
Sind erstaunt sehr, alle drei.
Noch ein Schritt! und plumps! der Hanns
Stürzt hinab kopfüber ganz! —
Die drei Fischlein, sehr erschreckt,
Haben sich sogleich versteckt.
Doch zum Glück da kommen zwei
Männer aus der Näh’ herbei,
Und sie haben ihn mit Stangen
Aus dem Wasser aufgefangen.
Seht! Nun steht er triefend naß!
Ei! das ist ein schlechter Spaß!
Wasser läuft dem armen Wicht
Aus den Haaren ins Gesicht,
Aus den Kleidern, von den Armen;
Und es friert ihn zum Erbarmen.
Doch die Fischlein alle drei,
Schwimmen hurtig gleich herbei;
Strecken ’s Köpflein aus der Flut,
Lachen, daß man’s hören tut,
Lachen fort noch lange Zeit;
Und die Mappe schwimmt schon weit.
#NOW #N #KWS #ROSA #OWL #GT #GGC #GOGREENCHALLENGE #VISITGÜTERSLOH #VISITGT #NIEWIEDERISTJETZT #MARIECHENMARKT
