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NOW Kommentar: Gütersloh – die vermessene Innenstadt

Von KWS, Kunst und Kultur, Kommentare80 Views

#NOW #Kommentar: Gütersloh – die vermessene Innenstadt

#Gütersloh, 18. Oktober 2026

Alle 2 Jahre lässt Gütersloh untersuchen, wie attraktiv seine #Innenstadt ist. Seit 2014 beteiligt sich die Stadt an der bundesweiten Studie »Vitale Innenstädte« des Instituts für Handelsforschung (#IFH) #Köln. Nun dürfen Bürger und Besucher wieder ihre #Einschätzungen abgeben. Was gefällt ihnen? Was fehlt? Warum kommen sie? Warum bleiben sie weg? Wie steht es um #Gastronomie, #Einzelhandel, #Erreichbarkeit und #Aufenthaltsqualität?

Das klingt nach #Wissenschaft. Und nach der beruhigenden Vorstellung, man müsse nur genügend Menschen befragen, genügend Antworten auswerten und genügend bunte Diagramme produzieren, um irgendwann herauszufinden, wie eine Innenstadt funktioniert.

Leider funktioniert es so nicht. Erstens weil es so nicht funktioniert, und zweitens, weil es (siehe oben) seit 2014 erfolglos versucht wird (also so nicht funktioniert). Und drittens, weil der Blick in die Geschichte zeigt, dass »Innenstädte« eben nicht deshalb erfolgreich waren (wenn sie es denn waren), weil sie geplant wurden.

Die Innenstadt als Multiple Choice Aufgabe

Schon die Grundannahme ist fragwürdig: Menschen könnten zuverlässig erklären, weshalb sie eine Innenstadt besuchen oder meiden. Und aus der Summe dieser #Selbstauskünfte ließe sich anschließend ableiten, was zu tun sei.

Das ist ungefähr so, als würde man #Passanten befragen, weshalb sie sich verlieben, und aus den Antworten ein kommunales Konzept zur #Steigerung der #Liebesfähigkeit entwickeln.

Natürlich werden die Befragten irgendetwas antworten. Zu wenig #Parkplätze. Zu viele #Autos. Zu wenige Autos. Zu wenige #Bäume. Zu wenig #Grün. Zu viele #Leerstände. Zu wenig #Gastronomie. Zu hohe #Preise. Zu wenig #Aufenthaltsqualität.

Und dann?

Wer behauptet, wegen fehlender Parkplätze nicht mehr in die Innenstadt zu fahren, muss keineswegs häufiger kommen, wenn zusätzliche Parkplätze geschaffen werden. Wer mehr Gastronomie fordert, wird deshalb nicht automatisch häufiger essen gehen. Und wer sich über Leerstände beklagt, ist nicht unbedingt bereit, in den verbliebenen Geschäften einzukaufen.

Zwischen dem, was Menschen sagen, dem, was sie glauben, und dem, was sie tatsächlich tun, liegen mitunter ganze Universen.

Das ist keine neue Erkenntnis. Darüber gibt es umfangreiche wissenschaftliche #Literatur.

12 Jahre Befragung. Und was haben wir gelernt?

Besonders bemerkenswert: Gütersloh beteiligt sich seit 2014 an der Untersuchung. Seit 12 Jahren wird also regelmäßig nach der Attraktivität der Innenstadt gefragt.

Da wäre es doch interessant zu erfahren, welche Erkenntnisse daraus gewonnen wurden. Welche konkreten Maßnahmen wurden aufgrund der Befragungen beschlossen? Welche davon umgesetzt? Und welche nachweisbaren Verbesserungen oder auch nur Veränderungen haben sie bewirkt?

Nicht: Welche Maßnahmen fanden die Beteiligten gut? Nicht: Welche Projekte wurden öffentlichkeitswirksam vorgestellt? Sondern: Was hat tatsächlich funktioniert?

Denn zwischen einer Maßnahme und ihrer behaupteten Wirkung besteht noch lange kein ursächlicher Zusammenhang.

Wenn nach dem Aufstellen neuer Sitzbänke mehr Menschen in die Innenstadt kommen, müssen nicht die Sitzbänke dafür verantwortlich sein. Vielleicht hat ein neues Geschäft eröffnet. Vielleicht hat sich die Bevölkerungsstruktur verändert. Vielleicht ist anderswo ein Einkaufszentrum geschlossen worden.

Und wenn die Besucherzahlen zurückgehen, obwohl man die Aufenthaltsqualität verbessert hat, muss die Maßnahme nicht wirkungslos gewesen sein.

Das Problem ist erheblich komplizierter, als es eine Befragung suggeriert.

Die Stadt ist keine #Maschine

Wer sich ernsthaft mit #Stadtentwicklung beschäftigt, sollte zunächst etwas über Städte wissen. Über ihre #Geschichte, ihre wirtschaftliche Entstehung, ihre sozialen Strukturen und die #Mechanismen, durch die urbane Räume überhaupt entstehen.

Und er sollte die einschlägige Literatur kennen.

Jane Jacobs beschrieb bereits 1961 in ihrem berühmten #Buch »The Death and Life of Great American Cities«, warum funktionierende Stadtviertel gerade nicht das Ergebnis technokratischer Planung sein müssen. Sie entstehen durch Vielfalt, kleinteilige Nutzungen, soziale Wechselwirkungen, wirtschaftliche Eigeninitiative und unzählige dezentrale Entscheidungen.

Friedrich August von Hayek beschäftigte sich mit dem grundlegenden Wissensproblem zentraler Planung: Das für wirtschaftliche und gesellschaftliche Prozesse relevante Wissen ist auf unzählige Menschen verteilt. Es lässt sich nicht einfach in einer Verwaltungsstelle sammeln und anschließend in optimale Entscheidungen übersetzen.

Und Nassim Nicholas Taleb hat in seinen Arbeiten über komplexe Systeme, #Fragilität und #Antifragilität immer wieder gezeigt, wie problematisch Eingriffe werden können, wenn Planer die Systeme, in die sie eingreifen, nicht hinreichend verstehen.

Sinngemäß könnte man die Konsequenz so formulieren: Die erfolgreichsten Stadtviertel sind womöglich gerade diejenigen, von denen die Stadtplaner ihre Finger gelassen haben.

Das ist keine Aufforderung, #Stadtplanung abzuschaffen. Aber eine Aufforderung, ihre Grenzen zu begreifen.

Denn eine Innenstadt ist keine Maschine, bei der man an einigen Stellschrauben dreht, bis die gewünschte #Besucherfrequenz erreicht ist.

Sie ist ein komplexes, historisch gewachsenes System. Und komplexe Systeme haben die unangenehme Eigenschaft, dass sie sich nicht unbedingt so verhalten, wie es die Verantwortlichen vorgesehen haben.

Jetzt auch noch online!

Eine besondere Errungenschaft der diesjährigen Untersuchung besteht darin, dass die Befragung erstmals online stattfindet.

Damit könne man besser herausfinden, warum Menschen der Innenstadt fernbleiben, erklärt das »Gütersloher Citymanagement«. Außerdem werde die Befragung nicht mehr durch äußere Faktoren wie das #Wetter beeinflusst.

Wunderbar.

Bisher befragte man also Menschen, die tatsächlich in der Innenstadt unterwegs waren. Jetzt können auch Menschen teilnehmen, die möglicherweise seit Jahren keinen Fuß mehr dorthin gesetzt haben.

Das kann zusätzliche Perspektiven eröffnen. Allerdings entsteht dadurch ein anderes Problem: Wer nimmt überhaupt teil?

Wer zufällig von der Befragung erfährt? Wer sich für Innenstadtpolitik interessiert? Wer sich über irgendetwas ärgert? Wer seine persönliche Wunschliste loswerden möchte?

Eine offene Online Befragung ist nicht schon deshalb repräsentativ, weil jeder mitmachen darf.

Und dass das Wetter nun keine Rolle mehr spiele, ist ebenfalls eine bemerkenswerte Verkürzung. Es beeinflusst selbstverständlich weiterhin das tatsächliche Besuchsverhalten. Lediglich die Auswahl der Befragten hängt nicht mehr unmittelbar davon ab, ob es an 2 bestimmten Erhebungstagen regnet.

Man hat also ein methodisches Problem verändert und möglicherweise andere geschaffen.

Die große #Illusion der #Steuerbarkeit

Hinter solchen Untersuchungen steht häufig eine Vorstellung, die in der kommunalen #Wirtschaftsförderung erstaunlich verbreitet ist: Die Innenstadt sei eine Art #Gemeinschaftsprodukt, das sich durch die richtige #Mischung aus #Stadtmarketing, #Möblierung, #Veranstaltungen, #Begrünung, #Verkehrslenkung und #Aufenthaltsqualität optimieren lasse.

Man müsse nur die Bedürfnisse der Zielgruppen ermitteln und anschließend die passenden Maßnahmen ergreifen. Das klingt verdächtig nach #Produktmanagement. Nur ist eine Innenstadt kein Produkt. Und ihre Besucher sind keine homogene Kundengruppe.

Was für den einen attraktiv ist, schreckt den anderen ab. Was dem Einzelhandel hilft, kann der Gastronomie schaden. Was für #Anwohner angenehm ist, kann für Besucher unpraktisch sein. Und was heute als moderne Stadtentwicklung gefeiert wird, kann morgen bereits als kostspieliger Irrtum gelten.

Hinzu kommen Entwicklungen, auf die das kommunale Citymanagement kaum Einfluss hat: #Onlinehandel, #Immobilienpreise, #Unternehmensentscheidungen, #Kaufkraft, demografischer Wandel, #Mobilität, #Arbeitswelt und veränderte #Konsumgewohnheiten.

Wer diese Zusammenhänge verstehen will, braucht weit mehr als eine Sammlung von Meinungsäußerungen.

Vor allem braucht er die Bereitschaft, die eigenen Annahmen infrage zu stellen.

Vielleicht sollte man zunächst #weniger machen

Das eigentlich Interessante an lebendigen Städten ist, dass ihre Vitalität häufig nicht geplant wurde.

Sie entstand, weil Menschen Geschäfte eröffneten, Gebäude umnutzten, Gastronomie betrieben, Wohnungen schufen, Dienstleistungen anboten, Risiken eingingen und auf Veränderungen reagierten.

Nicht alles funktionierte. Vieles scheiterte. Anderes setzte sich durch.

Gerade darin liegt die Anpassungsfähigkeit einer Stadt.

Statt immer neue #Attraktivitätsprogramme zu entwerfen, könnte man deshalb einmal untersuchen, welche kommunalen Vorschriften, #Genehmigungsverfahren, #Nutzungseinschränkungen, #Kosten und planerischen Vorgaben solche Entwicklungen möglicherweise behindern.

Oder welche Rolle die Eigentümer der Innenstadtimmobilien spielen. Welche Mietforderungen bestehen. Welche Geschäftsmodelle wirtschaftlich überhaupt noch tragfähig sind.

Das wäre allerdings erheblich mühsamer, als Bürger nach ihren Wünschen zu fragen.

Und es könnte Erkenntnisse hervorbringen, die politisch weniger angenehm sind als die Forderung nach zusätzlichen #Sitzgelegenheiten und #Blumenkübeln.

Die Vermessung des Unverstandenen

Natürlich spricht nichts dagegen, Menschen nach ihren Eindrücken zu fragen. Solche Befragungen können interessante Hinweise liefern. Sie können Wahrnehmungen dokumentieren, Veränderungen sichtbar machen und neue Fragestellungen aufwerfen.

Aber sie erklären nicht automatisch, warum eine Innenstadt funktioniert oder scheitert.

Und sie liefern erst recht keine Gebrauchsanweisung für ihre erfolgreiche Entwicklung.

Genau diese Unterscheidung müsste am Anfang jeder seriösen Beschäftigung mit dem Thema stehen.

Vielleicht wäre es deshalb nach 12 Jahren regelmäßiger Befragungen an der Zeit, nicht schon wieder die Bürger zu fragen, was sie von der Gütersloher Innenstadt halten.

Sondern zunächst diejenigen, die seit 12 Jahren die Ergebnisse auswerten, was sie eigentlich daraus gelernt haben.

Denn möglicherweise fehlt es der Gütersloher Innenstadt gar nicht an Erkenntnissen über die Wünsche ihrer Besucher. Sondern an einem grundlegenden Verständnis dafür, wie Städte funktionieren.

Und dieses Verständnis bekommt man nicht durch Anklicken eines Online Fragebogens.

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Open Stadtmuseum Hashtags

Themen entdecken – Hashtags im Open Stadtmuseum von A bis Z

#Stadtgeschichte verläuft nicht in Schubladen. Orte, Menschen, Unternehmen, Ereignisse und Epochen hängen miteinander zusammen und hinterlassen Spuren an ganz unterschiedlichen Stellen. Mit den Schlagwörtern des Open Stadtmuseums lässt sich der gesamte Bestand deshalb auch quer zu den einzelnen Sammlungen und Feeds erkunden.

Einfach ein Thema auswählen und auf den entsprechenden Hashtag klicken: von #Nationalsozialismus, #Zwangsarbeit und #JüdischesLeben über #Bertelsmann, #Miele, #Eisenbahn und #Einzelhandel bis zu #Dreiecksplatz, #BerlinerPlatz, #Kinos oder #Gaststätten. Jeder Begriff führt direkt zu den dazu vorhandenen Beiträgen, Bildern, Dokumenten und Geschichten.

Die Auswahl wird fortlaufend ergänzt und erweitert – denn auch das Open Stadtmuseum wächst ständig weiter.

Geschichte und Epochen

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NS Zeit, Verfolgung und Erinnerung

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